
Was zuletzt geschah (Kontext):
Am 01.09. habe ich mein duales Studium an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit im Studiengang Beratung für Bildung, Beschäftigung & Beruf begonnen. Unter der Woche bin ich in Schwerin, am Wochenende fahre ich zurück nach Berlin zur Familie.
Die ersten drei Wochen sind vorbei und ich merke, dass Routine aufkommt. Bevor die Achterbahnfahrt der Ersteindrücke verblasst, gebe ich ein paar davon hier wieder.
Woche #1 war vollgepackt mit Infoveranstaltungen. Einschreibung, Bibliothek, IT, Studienorganisation – alles kleinschrittig, in jeweils 90-Minuten-Blöcken (alle Veranstaltungen sind im 90min Format). Ich weiß, dass das Ziel ist, jede und jeden abzuholen und mitzunehmen, für mich fühlten sich die Veranstaltungen allerdings zäh an. Mehr als einmal dachte ich: „Das hätte auch eine E-Mail sein können.“
Jeden Nachmittag Abend gab es vom Jahrgang ’23 organisierte social events an denen primär und viel getrunken wurde. Da klinkte ich mich aus.
Mit Woche zwei begann dann der reguläre Studienalltag: Veranstaltungen zwischen 8 Uhr morgens und spätestens 19 Uhr abends. Vorlesungen und Seminare. Ziemlich schnell war klar, dass ich ein Problem haben werde – bei 90 Minuten Frontalvorlesung, in denen Präsentationsinhalt und gesprochenes Wort gleich sind, schlafe ich ein. Nicht metaphorisch. Ich nicke wirklich weg. Aus den meisten Vorlesungen nehme ich fast nichts mit. Bei den Seminaren dagegen – wenn man Fragen stellen kann, gefragt wird, diskutiert wird – da blühe ich auf.
Woche drei war more of the same. Der Stundenplan ist zwar jede Woche anders, aber jede Woche sind es auf jeden Fall BWL, VWL, Privat-/Öffentliches Recht, Statistik, Integration und Soziologie. Außerdem Brückenkurs Mathe. In der Woche kamen zusätzlich Personalvertreter zu Besuch, und es gab eine Sonderveranstaltung, in der wir Einblick in die Geschehnisse auf dem Arbeitsmarkt in den USA bekommen konnten.
Erkenntnisse
Vor dem Studienbeginn kam – auch weil ich immer wieder diesbezüglich gefragt wurde – die Sorge auf, ob ich Probleme damit haben würde, wieder in die Rolle eines Studenten zu schlüpfen. Würde ich es schaffen, aus meiner Rolle als Illustrator, Teamlead, Art Director, Fachexperte zurückzutreten und zu akzeptieren, dass ich „nix“ weiß? Bin ich noch flexibel genug, bin ich smart genug, bin ich schnell genug, um mit den Jüngeren mitzuhalten?
Die Sorge war/ist bisher komplett unbegründet.
Stattdessen beschäftigt mich: Passe ich überhaupt zur BA?
Ich nenn mal zwei Beispiele/Metaphern/anekdotische Ansichten zur Veranschaulichung:
An der Kunsthochschule (ich hab ja ein Diplom in Kommunikations Design) lautete der pädagogische Ansatz, von mir überspitzt formuliert: „Wir bringen dir zur Vorsicht mal nix bei, es könnte dich ja einschränken. Geh und probier aus.“
Hier an der HdBA wirkt es auf mich eher so: „Lerne genau das, in genau dem Tempo, mit genau den Materialien, in dem Format, mit den Textbausteinen – dann bist du genau auf das vorbereitet, was du später tun wirst und wohin du gehen wirst.“
Zweites Beispiel (mehrere Veranstaltungen zusammengefasst & vereinfacht):
Meine Kommiliton:innen nannten als Stärken und Gründe für die BA vor allem Sicherheit, finanzielle Absicherung, klare Entwicklungspfade, klare Karrieremöglichkeiten, große Organisation. Als Ängste beispielsweise: Mathe, Durchfallen, Zeitmanagement.
Meine eigenen Stichworte: Creative Thinking, kreative Problemlösung, Flexibilität, Zusammenarbeit mit Kreativen.
Warum bin ich zur BA? Ich stehe voll hinter der sozialen Ausrichtung/den sozialen Werten der BA, und die BA war die einzige potenzielle Arbeitgeberin, bei der ich im Bewerbungsprozess das Gefühl hatte, trotz meines Alters willkommen zu sein.
Meine Angst: Ich passe nicht zur BA.
Überlappungen zwischen meinen Kommiliton:innen und mir: Menschen helfen, Empathie.
Als der Prof die Stichwortsammlungen besprach, um uns klar zu kommunizieren „Das ist normal, halb so wild, wird schon“, kam er auch an meinen Stichworten vorbei. Er stand davor, schaute drauf, zuckte mit den Schultern – und ging zum nächsten Stichwort.
Ja, egal wie man es dreht, die BA ist eine Behörde. Das war mir schon klar. Vielleicht bin ich nur noch nicht angekommen.
Es sind ja auch erst drei Wochen vorbei, einiges wird sich erst noch zeigen – vor allem im Praxistrimester.
An den Vorlesungen komme ich nicht vorbei, also bau ich mir drumherum meine eigenen Wege.
Ich kaufe Bücher (mindestens ein Buchhändler begrüßt mich schon mit Vornamen), schaue Videos, lese quer, lerne assoziativ – alleine und in Gruppen. Und auf die Seminare freue ich mich, dort kann ich bisher am meisten mitnehmen.
Das nächste Update werde ich voraussichtlich nächste Woche geben, nachdem die erste Lohnabrechnung da ist. Dann gebe ich Einblick in Benefits und Kosten des Studiums – auch, weil privat immer wieder dazu Fragen kamen. Spoiler: Die BA zahlt – meines Erachtens nach gut – fürs duale Studium, aber ich zahle trotzdem drauf.